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Pavillon - Archiv

Wertübergabe in der Kleingemeinschaft

Dr. Isván Kamarás ist Religionssoziologe an der Universität Veszprém. Vor einigen Monaten hielt er einen Vortrag über Religionsleben und Gemeinschaft in Kiskunhalas. Wegen des Vereins IDV (Struktur, Ziele, Mitglieder) erweisen sich seine Gedanken auch für die Pavillon-Leser als lehrreich.
 
„Mein Thema ist heute die Kleingemeinschaft: einige Personen, vielleicht fünf bis fünfzehn, schließen sich zusammen, um mehr Zeit miteinander zu verbringen. Abgesehen von dem jeweiligen gemeinsamen Interesse ist die so zustande gekommene Gruppe auch eine mit menschlichen Beziehungen durchwobene Gruppierung.
Zu welchem Zweck? Daran war die jeweiligen Machtinhaber, vor allem die totalitären Diktaturen, immer mehr oder weniger stark interessiert. Die Kommunisten in Ungarn haben diese Kleingemeinschaften ab der zweiten Hälfte der 1940-er Jahre mit offiziellen Mitteln entweder verboten, verfolgt oder in das „offizielle Kultursystem“ grob eingefügt. Dann war es nicht mehr eine freiwillige Aktivität, sondern allgemeine Pflicht. So musste jedes Kind zu einer Pioniergruppe gehören und nicht mehr freiwillig wie früher zu einer Pfadfindergruppe.

 
Aus soziologischer Sicht versehen diese Kleingemeinschaften enorm viele Funktionen. Die erste ist meiner Meinung nach die „Wertübergabe“. Die schwächste Person der Gemeinschaft bekam von den stärkeren genug Kraft, um Schwierigkeiten im Leben zu meistern und für Probleme Lösungen zu finden. In erster Linie meine ich die verschiedenen religiösen Kleingemeinschaften. Es ist kaum zu glauben, dass bis 1949 in Ungarn 1,5 Millionen Menschen zu irgendeiner religiösen Kleingemeinschaft gehörten. Darunter verstehe ich nicht die Kirchengemeinden, sondern nur die verschiedenen Verbände, Vereine, Klubs, Gruppen und Kreise, die innerhalb, neben oder außerhalb der „offiziellen Kirche“ fungierten. Nach 1949 mussten sie ihre Existenz einstellen oder existierten weiter als so genannte „Tischgesellschaft“, dem Polizeiterror ausgesetzt.
Kleingemeinschaften sind immer nötig, weil sie verschiedene Funktionen erfüllen. Sie sind Zuflucht, Orte der Freundschaftspflege und des seelischen Friedens. Man sitzt „um einen gemeinsamen Tisch herum“, wo die Mitglieder „nicht allein“ sind.
 
In Ungarn haben diese „Kommunen“ keine Wurzeln schlagen können. Das wäre das Thema eines anderen Vortrags, warum nicht. Die westeuropäischen Formen waren in Ungarn zwar publiziert und ausprobiert worden, aber nicht immer wirkungsvoll. Der Typ Verein (ung.: „egyesület“) hat aber in Ungarn, beginnend in der Monarchie-Zeit, Fuß gefasst. Initiatoren waren zuerst die hier lebenden Deutschen: die siebenbürger Sachsen, das deutsche Bürgertum zahlreicher Städte im Land und später durch die Vermittlung der Sozialdemokraten auch in den Arbeiter- und Bauernkreisen. Selbsthilfe- und Lesevereine konnte man auch in den kleineren Dörfern finden. Gerade bis zur kommunistischen Wende. Dann kam das totalitäre System, dessen Erbe zwanzig Jahre nach dem Wechsel noch immer spürbar ist.
 
Eine neue Tendenz ist in der Gesellschaft, dass viele Leute nirgendwo hingehören wollen. Ob dies Individualismus genannt werden darf, daran hege ich Zweifel. Ich würde eher sagen: heute gehören sehr viele Menschen in eine so genannte „Ein-Personen-Gruppe“. Für diese werden z.B. die Techno-Parties organisiert: man bewegt sich (tanzt?) in einem dunklen Raum, in dem großer Lärm herrscht. Mittel zur „guten Stimmung“ sind Alkohol und Drogen. Ist dies der Weg der Zukunft? Ich möchte es nicht behaupten, aber die Tendenz ist schon stark spürbar, und nach westlichen Beispielen kann man voraussagen, dass ein Teil der so aufwachsenden Jugend schwer zu den klassischen Werten des Gemeinschaftsleben zurückkehren kann.“
 
Lajos Káposzta
 

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