2006. Mai

 

Besuch bei unseren Mitgliedern - Die Gides oder: Vom mondänen Lugano in die Puszta


Kennt man den Weg zu den Gides, kommt man nicht weit von Kiskunmajsa zu einem Anwesen das an eine Filmkulisse erinnert. Zum Beispiel an den Film "Jenseits von Afrika"...
Ein weißer Gartenzaun umgibt die vier Hauptgebäude des Anwesens, viel Grün und allerlei Tiere, darunter eine Kuh; ihnen ist direkt anzusehen, wie wohl sie sich fühlen. Irgendwie strahlt alles Geborgenheit und Ruhe aus. Man fühlt, dass hier nette Menschen wohnen müssen.
Mein Gefühl hat mich nicht getrogen, Gisela und Siegfried Gide sind Menschen die man sich als Freunde wünscht.
Sie führen mich durch ihr Anwesen, das positiv stimmt. Überall Tiere, Federvieh, Wollschweine (habe ich vorher noch nicht gesehen), eigenartige Hühner, (Wach-) Hunde und, anders kann es nicht sein, Pferde.
Sie stellen mich ihren Verwalter und Betreuer vor. Seine Frau war im Krankenhaus: Gallenstein. Sie ist wieder zurück, alles in Ordnung.
Stolz zeigt Siegfried seine Pferdekutsche, gebaut in Polen, wirklich sehr schön, passt zu herrlichen Pferden die ich auf der riesigen Koppel gesehen habe, wo sie fast immer sind. Die Ställe.
den "Versorgungsraum", Milch Eier, Äpfel alles gibt es hier, was für einen Bauerhof typisch ist. Die Gides sind sozusagen Selbstversorger oder könnten es zumindest sein. Die Speisekammer ist voll von leckeren Sachen; Siegfried macht sich gleich daran den rohen Schinken und die Wurstspezialitäten für die anschließende Brotzeit vorzubereiten.
Währenddessen zeigt mir Gisela die Gebäude, das rustikale und gemütliche Haupthaus mit vielen Büchern. Ein Gästehaus und ein Nebenhaus mit einem riesigen Billardtisch, der aber nicht zu gebrauchen ist. Was ist das? Der ganze Raum voller Kleidung, Säckeweise Kleidung, Kleidung, Kleidung...
Ja, sagt Gisela, das ist für das Altenheim und die Leute vom Altenklub, wir sammeln das und bringen die Sachen hierher. Die alten Leute brauchen das. Später, bei der Brotzeit, höre ich noch mehr vom sozialen Engagement der Gides, schon immer, seit sie hier sind, machen sie das, und noch viel mehr. Im August werden sie ein Fest für die alten Menschen machen. Natürlich Weihnachten und so weiter...
Vorsichtig, weil heikel, frage ich wie lange sie so zusammen sind. Vierzig Jahre sind wir verheiratet, Gisela aus Köln, Siegfried Wuppertal, geheiratet in Berlin. Wir hatten zusammen unser Geschäft, Schmuckgroßhandel, wir waren deshalb viel zusammen und auf Reisen, Afrika, Asien, natürlich ganz Europa...
Wir haben in der Schweiz, in Lugano am Luganer See, gewohnt. Gisela sagt noch, da liefen fast alle immer edel gekleidet, die Frauen mit den teuersten Pelzmäntel, umher; alles mondän eben. Aber, so frage ich, wie kommt ihr nur hierher in die ungarische Tiefebene, die Puszta?
Eine Einladung ihres Verwalters, führte sie hierher, nach drei Monaten haben wir unser Haus gekauft, umgebaut. Aha, so einfach ist das. Ja, es gefällt uns hier. Wir sind hier richtig gemeldet, leben auch kulturell hier: Budapest, Szeged. Gut, wir sind im Winter meistens auf Reise; zuletzt in Vietnam zum Beispiel.
Nun freuen wir uns auf unsere Tochter Julia, sie wird voraussichtlich nächstes Jahr heiraten, und demnächst wohl in Budapest arbeiten. Sie ist Juristin.
Vieles gäbe es noch zu berichten, aber die Zeit verging wie im Fluge. Ein spannendes Leben eben, von dem sie erzählen.
Ich muss gehen, schön war´s euch zuzuhören, vielen Dank, auch für die prima Brotzeit. Tschüß und weiterhin alles Gute! Bis bald, beim nächsten IDVStammtisch. Siegfried, du musst noch die Kasse prüfen (Siegfried ist Revisor im IDV). Klar, kein Problem... ruka

Mit dieser neuen Rubrik wollen wir in lockerer Folge etwas über unsere Mitglieder berichten. Vor allem natürlich wie und warum sie in Ungarn leben. Es ist ein Versuch der natürlich nur dann fortgesetzt wird, wenn Sie, unsere Leser das auch wollen. Vorschläge erwarten wir telefonisch, brieflich oder persönlich bei Rudi Kastner oder Viktoria Molnar, bzw. per E-mail (ruka@tvnetwork.hu oder info@pavillon.hu). Unser nächster Besuch ist bei Dr. Árpád Schindler vorgesehen.