2005. juli

Wieder einmal ein „Aus” für eine Frau in der Politik! Ein Kommentar von Annabel Brandt

Diese Wahl in Ungarn hat mich sehr an Heide Simonis erinnert, die in Schleswig-Holstein viele Jahre als Ministerpräsidentin fungierte. Auch hier wurde zum Nachfolger ein Mann gewählt. Leider gab es die Verräter für Frau Simonis in den eigenen Reihen. Wenn man in der Geschichte zurückgeht, gab es schon immer starke Frauen an der Macht! Frauen gründeten 9000 v. Chr. die ersten Städte, bestimmten die Siedlungsstrukturen und gründeten die Tempelwirtschaft. 2750 v. Chr. kreierten Frauen die ägyptische Gesellschaft mit Ärztinnen und Richterinnen. Ihre letzte Herrscherin war Cleopatra. Erst 1500 v. Chr. dachte man um und gründete die Pharaonenwirtschaft. 1050 nach Chr. wurde das Leben der Frauen durch die Kreuzzüge der Männer verändert. Erst 1100 erwachten die Frauen aus ihrem aufgezwungenen Dornröschenschlaf und versammelten sich zu den ersten religiösen Frauenbewegungen. Diese waren die Nonnen, die weiblichen Orden in den Klöstern. Leider wurde diese Bewegung durch den aufkommenden Hexenwahn stark eingeschränkt. Neues Aufbegehren waren für Frauen die Unabhängigkeitsbewegungen in den USA, Frankreich usw. Ab 1820 wurde die Leibesertüchtigung auch für Mädchen erlaubt. Dann kamen die ersten freien Wahlen in den USA 1870, nachdem in Amerika, später auch in England die ersten Frauen an die politische Macht kamen. Die Rolle der Präsidentengattinnen wuchs in den USA stark an: sie waren sehr engagiert und angesehen. Die „Eiserne Lady“ Margarete Thatcher war zwar manchmal umstritten und gehasst, aber knallhart. Jetzt haben wir in der amerikanischen Außenministerin Condolina Raiss eine vorzügliche Diplomatin kennen gelernt. Parallel mit der Frauenbewegung wurde nach Jahrhunderten auch dem Rassenhass ein Ende bereitet. Wie sieht es in Deutschland aus? Ab 1971 agierte erfolgreich Alice Schwarzer, die als kämpfende Feministin eine große Wegbereiterin war und ist. 1988 wurde Rita Süssmuth als Bundestagspräsidentin von Kanzler Helmut Kohl vereidigt. 1989 ertönte Ina Markels Losung: „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, neue Frauen braucht das Land!“. Seitdem haben sich zahlreiche Frauen als Oberbürgermeister, Minister und Journalisten bewährt. Werden die Deutschen nach den nächsten Wahlen vielleicht eine Kanzlerin haben?